Streckenführung / Verlauf von Umleitungen

 

Auf dieser Seite soll nicht auf die Bewertung von Verkehrsbelastungen im Abgleich mit der Leistungsfähigkeit der Betriebsstrecken, oder sinnvolle Streckenführungen im Zuge von Umleitungen eingegangen werden - dies würde den Rahmen deutlich sprengen. Es geht vielmehr um die Beschilderung von Umleitungen, insbesondere in deren Verlauf. Beginnen wollen wir mit einem Foto aus der Praxis:

 

Genau das sind die Fälle, in denen man den Verantwortlichen vollständiges Versagen unterstellen muss, erneut verbunden mit der Erkenntnis, warum der Verkehrsteilnehmer dann doch lieber dem Navi vertraut. Es mag sein, dass unterschiedliche Baumaßnahmen, mit unterschiedlichem Planungsstand, zu verschiedenen Zeiten und abweichender Dauer, von verschiedenen Verkehrssicherungsfirmen eingerichtet werden. Aber: Dann muss die zuständige Straßenverkehrsbehörde dafür sorgen, dass die Beschilderung dieser Maßnahmen sinnvoll koordiniert wird. Ihr obliegt die Verkehrsregelungspflicht, sie erteilt die verkehrsrechtlichen Anordnungen und sie muss letztendlich wissen und bestimmen, was in ihrem Zuständigkeitsbereich im Straßenverkehr passiert. Im hier gezeigten Fall weiß sie das offenbar nicht.

 

Ähnlich ist der Sachverhalt im nebenstehendem Bild. Vorbildlich ist die Aufstellhöhe und die Anbringung der Zusatzzeichen (über dem Umleitungsschild). Auch der Zustand der Schilder ist gut - das sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht immer der Fall.

Der Seitenabstand zur Fahrbahn ist jedoch zu gering, denn gefordert sind mindestens 50cm. Viel schlimmer ist jedoch die Blockierung des Gehweges. Dort bewegen sich nicht nur schlanke Fußgänger, sondern auch Personen mit Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen. Diese müssen an dieser Stelle auf die Fahrbahn ausweichen.

Die Gedankenlosigkeit zeigt sich auch in der Tatsache, dass hier offensichtlich das gleiche Unternehmen tätig war. Da sollte es doch eigentlich möglich sein - in Abstimmung mit der Behörde - beide Zielangaben über einem Umleitungsschild zu vereinen und somit das zweite Umleitungsschild zu sparen. Dann rutscht man die Konstruktion nur noch nach rechts an den Gartenzaun und schon sind Gehwegbreite und Seitenabstand zur Fahrbahn gewahrt. Und sichtbar ist das Schild dank der vorbildlichen Aufstellhöhe trotzdem noch.

Klar erfordert dies bei unterschiedlichen Auftraggebern etwas mehr Abrechnungs- und Verwaltungsaufwand, doch im Sinne einer fachgerechten Beschilderung ist dieser Aufwand gerechtfertigt. Und selbst wenn dies alles nicht möglich ist und die Behörde kein Interesse zeigt, sollte der geschulte Monteur die Schilder wenigstens (gut sichtbar) hintereinander aufstellen.

 

doppelt gemoppelt - Gehweg blockiert

 

Hier haben wir es mit mehreren Baumaßnahmen und mehreren Verkehrssicherungsfirmen zu tun. Auch dies ist wieder ein klarer Fall von Desinteresse auf Behördenseite. Es sollte eigentlich möglich sein, aus insgesamt vier linksweisenden Umleitungsschildern nur zwei zu machen - einmal die Umleitung für Radfahrer und dann der Rest. Alle Ziele über einem Umleitungsschild wäre wiederum zuviel des Guten, daher die Trennung. Bemerkenswert ist auch die unterschiedliche Art der Aufstellung, obwohl einheitliche Vorschriften gelten. Im Hintergrund wieder vorbildliche Aufstellhöhe und Sichtbarkeit, dafür aber kein Seitenabstand zur Fahrbahn und Blockierung des Gehweges. Im Vordergrund sind zwar Seitenabstand und Gehwegbreite gewahrt, dafür ist die Aufstellhöhe zu gering und der Standort des mittleren Zeichens ist ungünstig gewählt (Zielangabe von Baum verdeckt). Die mangelhafte Aufstellung (verdrehte Fußplatten, da bei der oberen die 60er Öffnung genutzt wurde, weil das Schaftrohr nicht in beide 40er Öffnungen passt), rundet das Gesamtbild ab. Die Standsicherheit lassen wir mal komplett außen vor - bei allen vier Schildern wohlgemerkt.

 

einheitliche Konzepte im gesamten Verlauf
Bevor diese Seite zur Bildergalerie mutiert (diese und die Rubrik Unleitung ist sehr zu empfehlen), wollen wir mit den grundlegenden Anforderungen fortfahren. Generell sind die bislang vorgestellten Konzepte (Zielangabe über dem Umleitungsschild) deutschlandweit anzuwenden, denn die StVO gilt im gesamten Bundesgebiet. Sollten dennoch Abweichungen in der Beschilderung nötig sein, sind diese im jeweiligen Bundesland oder Landkreis einheitlich anzuwenden. In der Praxis hingegen gelingt es oftmals nicht, ein Konzept konsequent umzusetzen - weder im gleichen Landkreis, noch in der gleichen Stadt. Gut, jetzt sind wir doch wieder bei einem Foto:

 

Ein Kreisverkehr, drei verschiedene Umleitungen, aufgestellt von zwei verschiedenen Verkehrssicherungsfirmen. Würden die zuständigen Behörden die aktuellen Anforderungen und Konzepte konsequent umsetzen, würde die Kreisverkehr-Darstellung auf allen Schildern enthalten sein. Insbesondere die Aufstellung von linksweisenden Umleitungsschildern (U3) vor einem Kreisverkehr, ist in Bezug auf die vorgeschriebene Fahrtrichtung im Kreisel mehr als fragwürdig.

Von der Fahrbahn aus gesehen, verdecken die beiden vorderen Schilder das hintere Schild. Dieses entspricht grafisch immerhin den einschlägigen Anforderungen - was man von den beiden vorderen Varianten nicht behaupten kann. Die Darstellung des Kreisverkehrs ist nicht besonders gelungen (vgl. Vorwegweiser), Schrift und Sinnbild sind einfach irgendwie auf das Schild geklebt. Beim rechten Schild ist die 4 zu klein, U und 4 nach links gerückt und die Zielangabe wurde unzulässig zwischen U und Richtungspfeil gequetscht.

 

zulässige Varianten

 
 

 

 

 

 
 

Die linke Kombination entspricht der StVO. Richtet man sich nach RUB, kann die Zielangabe direkt auf dem Schild gezeigt werden - dann jedoch stets ohne das U. Diese Variante ist verständlich, jedoch nicht StVO-konform. Die Nummerierung einer Umleitung ist ebenfalls möglich - nach RUB versteht sich. Und selbstverständlich ist auch eine neutrale Wegweisung zulässig, ohne Zielangaben und ohne Nummerierung. Das U befindet sich dann stets in der Mitte des Zeichens (gemäß StVO / VzKat).

 

Hat man sich auf eine der oben gezeigten Varianten geeinigt, muss diese im gesamten Verlauf der Umleitung angewandt werden. Also nicht an einer Kreuzung ein Schild der Größe 1 mit Nummer, 100m weiter ein Schild mit Zielangabe auf einem separatem Schild, im nachfolgenden Kreisverkehr dann ein Schild nur mit Pfeil und ohne U, sowie als Abschluss ein Schild mit integriertem Text. Selbstverständlich sollten andere Umleitungen im gleichen Straßennetz ebenfalls einheitlich ausgeführt werden. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn verschiedene Umleitungen an einer Kreuzung zusammentreffen.

 

nicht zulässige Varianten

 
 

 

 

 

 
 

Zielangabe zwischen
U und Pfeil

 

fehlendes U

 

U zusammen
mit Sinnbild

 

Bastelstunde im
Kindergarten

 
 

Schriftzüge gehören nicht auf ein Schild, auf dem bereits ein U enthalten ist. Kann das U nicht entfernt werden, weil es lackiert ist, muss man eben ein anderes Schild nehmen. Hat man keine anderen Schilder, sollte man welche mieten oder kaufen. Geht dies auch nicht, sollte man darüber nachdenken, die Branche zu wechseln.

Werden bestimmte Verkehrsarten umgeleitet, sind diese auf einem Zusatzzeichen über dem Umleitungsschild zu zeigen. Will man das Sinnbild dennoch in das Schild integrieren, dann muss auch hier das U entfernt und das Sinnbild grafisch sinnvoll eingepasst werden. Und zum Beispiel ganz rechts ist eigentlich nicht viel zu sagen - außer das man solche Lösungen in der Praxis viel zu oft findet. Insgesamt zeigen diese Varianten, dass es durchaus richtig ist, dass Verkehrssicherungsfirmen eigentlich keine Verkehrszeichen herstellen bzw. überarbeiten dürfen - es sei denn sie sind hierfür autorisiert.

 

Kontinuität in der Zielführung
Wer einmal versucht hat, einer ausgeschilderten Umleitung allein anhand der Schilder zu folgen, wird in der Praxis oft enttäuscht und landet nicht in jedem Fall an seinem Ziel. Das liegt neben unzureichender Kontrolle und Wartung der Umleitungsstrecken auch maßgeblich am sparsamen Einsatz der Verkehrszeichen. Weniger Verkehrszeichen - aber nicht unbedingt bessere Beschilderung.

 

Kreuzungen und Einmündungen
Umleitungsschilder sind im Verlauf der Stecke mindestens überall dort aufzustellen, wo Zweifel über die weitere Streckenführung entstehen können (Zweifel aus Sicht des Verkehrsteilnehmers in einem fahrenden Fahrzeuge und nicht allein des Planers am Schreibtisch, in Kenntnis der Streckenführung). Man muss natürlich nicht an jeder Kreuzung und Einmündung ein Schild aufstellen, wenn die Strecke geradeaus führt. Es ist aber ebenso falsch, den Verkehrsteilnehmer 10km geradeaus durch eine Stadt zu schicken und ihm erst beim nächsten Richtungswechsel wieder ein Umleitungsschild zu präsentieren.

 

abknickende Vorfahrtstraßen
Ähnlich verhält es sich bei abknickenden Vorfahrtstraßen. Selbst wenn die Umleitung dem Verlauf der Vorfahrtstraße folgt, sollte nicht auf die jeweiligen Umleitungsschilder verzichtet werden. Der Verkehrsteilnehmer muss sich in diesem Fall auf die Umleitung verlassen können und sollte hinsichtlich seiner Route nicht noch auf andere Schilder angewiesen sein.

 

Wegweiser
Klarheit muss auch dann bestehen, wenn ortsfeste Wegweiser im Zuge der Umleitungsstrecke vorhanden sind, welche die gleiche Zielangabe enthalten. Es ist inkonsequent, sich bei Planung und Ausführung auf einen vorhandenen Wegweiser zu verlassen, nur weil dieser zur Richtung der Umleitung passt und z.B. nach Weimar zeigt - insbesondere bei nummerierten Umleitungen. Man kann nicht das Ziel "Weimar" zuerst mit der U 99 verknüpfen, mittendrin auf einmal mit Schriftzügen arbeiten, um an der nächsten Kreuzung wieder die U 99 aufzugreifen - und das ggf. mehrfach. Eindeutig ist in diesem Fall die konsequente Fortführung der U 99 mit entsprechenden Umleitungsschildern, auch dort, wo zwischendrin bereits ein passender ortsfester Wegweiser vorhanden ist.

 

regelmäßige Wiederholung
Insbesondere außerorts kann es angebracht sein, den Hinweis auf eine Umleitung regelmäßig zu wiederholen - vor allem wenn sonst Unklarheiten über den Fortbestand der Umleitung auftreten können. Wer eigentlich nach Norden fährt und seit 10km via Umleitung nach Süden geschickt wird, der wendet irgendwann, wenn er nicht zwischendurch auf den Verlauf der Umleitung hingewiesen wird.

 

Bei allen genannten Fällen muss man auch stets den Einsatz von Navigationssystemen im Hinterkopf behalten. Sicherlich soll allein dies kein Grund zur Überbeschilderung sein und man muss auch gewiss nicht alle 50m ein geradeaus weisendes Umleitungsschild aufstellen. Doch wenn das Navi permanent zum Wenden auffordert, kann eine fachgerechte und vor allem kontinuierliche Umleitungsbeschilderung dem entgegen wirken. Stehen die Schilder hingegen nur sporadisch, schlecht sichtbar bzw. gewartet (Diebstahl / Vandalismus), braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Verkehrsteilnehmer den Hinweis "bitte wenden" in die Tat umsetzt.

 

Bedarfsumleitungen (BAB) berücksichtigen
Bei der Beschilderung von "gelben Umleitungen" werden vorhandene Bedarfsumleitungen (BAB) oft nicht berücksichtigt. Man setzt voraus, dass sich auch der abgeleitete Autobahnverkehr nach der "gelben Umleitung" richtet. Folglich werden die blauen Umleitungsschilder noch nicht mal ausgekreuzt oder abgedeckt. Das sieht dann z.B. so aus:

 

Es mag sein, dass die Einbeziehung einer Bedarfsumleitung in ein Umleitungskonzept einen erhöhten Abstimmungsbedarf zur Folge hat und es ggf. sogar zu Kompetenzgerangel zwischen den Behörden kommt - insbesondere wenn es um die lieben Kosten geht. Fakt ist aber, dass der überregionale Verkehr eine lückenlose Streckenführung seiner Bedarfsumleitung erwarten kann. Stattdessen verlassen ihn oftmals erst die blauen Schilder, dann muss er sich in einer schlecht beschilderten gelben Umleitung zurecht finden und wird schließlich irgendwo am anderen Ortsende in das nachgeordnete Straßennetz geführt und ab dort sich selbst überlassen - ohne Hinweis auf die Autobahn versteht sich.