Planskizzen / Plantafeln

 

Dem Leser ist sicherlich schon aufgefallen, dass der Autor kein Freund von Planskizzen ist. Dies liegt maßgeblich daran, dass es in der Praxis kaum gelingt, eine wirklich sinnvolle Gestaltung nebst fachgerechter Aufstellung zu gewährleisten. Es beginnt mit völlig verkratzten Tafeln, die dilettantisch mit unterschiedlicher Folie geflickt sind. Klebereste von älteren Beschriftungen sind insbesondere bei Nacht deutlich erkennbar. Die aufgezeigte Streckenführung passt nicht zum Standort der Tafel. Farbige Bildinhalte wie Zeichen 250, 455.1 oder Bundesstraßen- und Autobahnnummern sind nicht retroreflektierend ausgeführt und wirken bei Dunkelheit schwarz. Die Schriftart entspricht nicht der DIN 1451, ist zu klein, an den Rand gequetscht und schief aufgeklebt. Und wenn eine solche Tafel dann noch in Kniehöhe auf einem Gehweg hinter parkenden Fahrzeugen angebracht wird, ist der Schrotthaufen bzw. Kunstwerk perfekt. Beispiele gefällig?

 
 

Noch nicht überzeugt? Dann hätten wir noch diese tollen Exemplare:

 
 

Na gut, hier kommt er, der bislang unerreichte Klassiker von rsa-online.com im Bezug auf Planskizzen:

 

 

Diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen - mehr dazu in der Bildergalerie. Wer wirklich glaubt, dass der Verkehrsteilnehmer solche Tafeln in der Vorbeifahrt vollständig erfassen kann, scheint selbst nicht aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen. Bei vielen Planskizzen wird z.B. überhaupt nicht klar, wo man sich im Sinne der Tafel befindet. Die Nennung von Land-, Kreis, oder Staatsstraßennummern ist weitgehend sinnlos, da diese in der sonstigen Wegweisung (nach RWB) gar nicht auftauchen. Der Versuch, eine halbe Landkarte auf einer Plantafel abzubilden, ist oft bereits in der Planungsphase zum Scheitern verurteilt. Die dilettantische Fertigung unter Verwendung schrottreifer Materialien, gibt der ganzen Sache dann noch den Rest. Hilfreich ist das freilich alles nicht und man braucht sich dann auch nicht zu wundern, warum der Verkehrsteilnehmer lieber seinen Navi vertraut, anstatt auf chaotische Schilder zu achten.

 

Planskizzen sind keine Landkarten
Eins muss in jedem Fall klar sein: Eine Planskizze ist keine Landkarte. Es gibt für die Gestaltung konkrete Vorgaben und diese sind einzuhalten. Bei besonderen Erfordernissen sind Abweichungen möglich, aber doch bitte nicht unter Einbeziehung jeder Nebenstraße und unbedeutenden Zwischenzielen. Für welche Zielgruppe werden denn Planskizzen gemacht? Für die Ortskundigen, die nach zwei Tagen Sperrung einen Schleichweg gefunden haben, oder bereits vorher wissen, dass sie die Sperrung illegal durchfahren können? Oder sind Umleitungen etwa doch für die Auswärtigen, nicht ortskundigen Fahrer gedacht, die eigentlich nur von A nach B wollen und folglich die Information, dass es in der Ortslage C in der "Tante-Emma-Straße" einen Discounter gibt, bis zu welchem die Zufahrt frei ist, gar nicht benötigen?

 

Begreifbarkeit
Wenn eine Planskizze nicht in der Vorbeifahrt begreifbar ist (und das sind schätzungsweise über 80% der in Deutschland eingesetzten Planskizzen), kann man sich deren Aufstellung auch sparen. Der Verkehrsteilnehmer muss ohnehin der Umleitung durch die Zeichen 454 oder 455.1 folgen - und hier gilt es, für eine eindeutige, gut sichtbare und kontinuierlich fortgeführte Beschilderung zu sorgen. Es ist in der Regel vollkommen egal, ob die Strecke über A-Dorf führt, man in B-Stadt links abbiegen muss, um dann in C-Dorf durch einen Kreisverkehr zurück auf die ursprüngliche Strecke zu fahren. Und dass der Abzweig nach D-Stadt eine Sackgasse ist, in welcher der dortige Getränkemarkt aber erreicht werden kann, ist (für den überregionalen Verkehr) nicht von Bedeutung. Derartige Hinweise haben auf einer Planskizze nichts verloren.

 

Auszug aus den RUB:
(7) Bei umfangreicheren Umleitungsmaßnahmen über größere Entfernungen und bei komplizierten Streckenführungen empfiehlt es sich, die Umleitungsstrecke in einer Planskizze näher zu erläutern. Die Planskizze ist so einfach wie möglich zu gestalten, die Darstellung ist auf das Wesentliche zu beschränken. Hierbei können folgende Hinweise je nach örtlicher Notwendigkeit aufgenommen werden:

(a)

Anzeige der Streckensperrung durch Zeichen 250 StVO oder Verbotszeichen nach § 41 StVO für betroffene Verkehrsarten

(b)

Lage der Umleitungsstrecke in Bezug zur gerade befahrenen Strecke (rechts oder links liegend)

(c)

Stecke mit Zielrichtung, auf die der umgeleitete Verkehr wieder zurückgeführt wird durch Angabe des entsprechenden Fernziels der gerade befahrenen Straße

(d)

ein oder zwei Ziele auf der Umleitungsstrecke, die für die Orientierung des Umgeleiteten von Bedeutung sind (für das Verständnis des Streckenverlaufs); in Großstädten können die Ziele auch bedeutsame Straßennamen der Umleitungsstrecke sein

(e)

Entfernungsangabe bis zur Ableitungsstelle

 

...so einfach wie möglich, auf das Wesentliche beschränkt. Wie sind diese Anforderungen mit den Kunstwerken vereinbar, die auf deutschen Straßen stehen? Wird die Planskizze allein zum Selbstzweck aufgestellt, oder soll diese tatsächlich wichtige Informationen geben? Das der Planer am Schreibtisch genau weiß, was er mit der Beschilderung bewecken will, ist in der Regel das Kernproblem. Denn dieses Hintergrundwissen hat der Verkehrsteilnehmer nicht. Und darum muss man sich als Planer unbedingt in die Situation des (fahrenden) Verkehrsteilnehmers versetzen, die konkrete Situation vor Ort umfassend bewerten und die Erfordernisse exakt darauf abstimmen.

 

einheitliche Gestaltungsvorgaben
Eine Planskizze hat im Sinne von RUB und StVO eigentlich nur einen Zweck: Sie zeigt an, dass die Strecke auf der man gerade fährt gesperrt ist, dass es eine Umleitung gibt, welche rechts oder links von der aktuellen Stecke liegt und das sie über diesen und jenen Ort führt. Hält man sich an diese Anforderungen, muss man Planskizzen nur in der Standardausführung nach StVO vorhalten und klebt jeweils nur die Ortsnamen und die Entfernungsangaben neu. Das Grundgerüst, sprich die Straßen- und Pfeildarstellung, ist eigentlich immer gleich - genau wie die Position des Zeichen 250 - was ggf. auch ein Zeichen 253 oder 267 sein kann.

 

 

 

 

 

Grundbeklebung Zeichen 458-10

 

Grundbeklebung Zeichen 458-20

 

 

Hier sind insbesondere die Planer angesprochen: Die grauen Rechtecke sind der Platz, der auf einer Standard-Planskizze lt. RUB für den Text vorgesehen ist. Oben die Zielangabe, auf der Umleitungsstrecke ein oder zwei Zwischenziele (wenn diese der Orientierung dienen) und auf der Geradeausstrecke die "Sperrscheibe". Im unteren Bereich dann noch ein Feld für die Entfernungsangabe.

 

Gestaltungsvorgaben in der Planungsphase berücksichtigen
Probleme, mit denen das ausführende Unternehmen spätestens bei der Fertigung der Planskizzen konfrontiert ist, lassen sich vermeiden, indem bereits in der Planungsphase versucht wird, eine RUB und StVO-konforme Plantafel zu gestalten. Dazu gehört die richtige Schriftart, in der richtigen Schrifthöhe, eine saubere Gliederung, Piktogramme und Symbole in der korrekten Ausführung und (wenn die Planskizze doch mal zur Landkarte wird) eine ausreichend dimensionierte Tafel.

In der Praxis wird nicht selten ein Entwurf nur skizzenhaft auf ein Blatt gekritzelt und per Fax verschickt. Die ausgeschriebene Tafelgröße (z.B. 1600x1250mm) ist für den gewünschten Inhalt viel zu klein. Und was macht der Verkehrssicherer? Er nutzt Schriftgröße 40mm, staucht die Schrift unzulässig zusammen und klebt diese bis zum Rand.

Was in der Schilderwerkstatt im Abstand von 2m noch ausreichend wirkt, nimmt der Verkehrsteilnehmer draußen auf der Straße nicht einmal als Schrift wahr. Der Fahrzeugführer sitzt schließlich weder vor dem Plan am Schreibtisch oder steht in der unmittelbar vor der Tafel - nein, er fährt an dieser Tafel vorbei und soll sie trotzdem inhaltlich erfassen können.


handschriftlicher Entwurf - per Fax übertragen
eine fachgerechte Gestaltung der "echten"
Planskizze ist damit von vorn herein ausgeschlossen

 

Praxisbeispiel 1 - Planskizzen an unterschiedlichen Standorten:

 

 

 

Planskizze am Standort 1

 

 

 

Planskizze am Standort 4

 

An den Standorten 1 und 4 lässt sich die Standardvariante der Planskizze nach StVO bzw. RUB einsetzen. Oben die Zielangabe, auf der Nebenstrecke die beiden Zwischenziele und unten die Entfernungsangabe bis zur Ableitstelle. Da die Ortsnamen relativ kurz sind, lässt sich sogar die Schrifthöhe 126mm einhalten - bei den Zwischenzielen muss aber bereits auf die Engschrift zurückgegriffen werden. Im Falle eines langen Ortsnamens, z.B. Windischholzhausen (Stadtteil von Erfurt) beginnen bereits die Probleme, sowohl bei der Zielangabe im oberen Teil und erst recht bei den Zwischenzielen. Reicht eine maßvolle Verkleinerung der Schrift nicht aus, muss die Tafel in solchen Fällen ggf. vergrößert werden.

Hier zeigt sich wieder, wie wichtig die maßstabsgetreue Zeichnung der Tafeln bereits in der Planungsphase ist. Wird nur die Standardgröße 1600x1250mm ausgeschrieben, endet das im Falle von langen Ortsnamen zwangsläufig in zu keinen Schriftzügen. Im Ergebnis wird dann eine Leistung vergütet, die dem Verkehrsteilnehmer nichts nützt, da der Text in der Vorbeifahrt nicht, oder nur schlecht erkennbar ist.

 

 

 

Planskizze am Standort 2 (mit VZ455.1)

 

 

 

Planskizze am Standort 3 (mit U-Symbol)

 

An den Standorten 2 und 3 kann ggf. eine Vorwegweiser-Variante ohne explizite Darstellung der Umleitungsstrecke eingesetzt werden (mehr dazu später). Zur Klarstellung sollte dann aber ein zusätzliches Zeichen 455.1 bzw. ein U-Symbol auf der Tafel gezeigt werden. Für das U-Symbol bietet sich die Grundfläche einer Bundesstraßennummer an.

 

 

 

Planskizze am Standort 5

 

 

 

Planskizze am Standort 8

 

An den Standorten 5 und 8 wird der Verkehrsteilnehmer darüber informiert, dass zwischen Westburg und Osthausen eine Sperrung besteht und das man, je nach Ziel, eine anderen Route nehmen muss. Dies kann als vereinfachte Variante wie am Standort 5 geschehen, die jedoch bezüglich der Umleitungsstrecke keine besondere Aussage enthält. Für die Planskizze am Standort 8 wird beispielhaft eine mit Informationen überfrachtete Tafel dargestellt. Auf der Planungsseite ist man in solchen Fällen bemüht, alle relevanten Ziele und Zwischenziele mit aufzunehmen. In der Praxis entsteht dann häufig eine fragwürdige  Lösung, die auf Grund ihrer Gestaltung nicht in der Vorbeifahrt zu erfassen ist.

 

 

 

Ankündigungstafel am Standort 6

 

 

 

Ankündigungstafel am Standort 7

 

An den Standorten 6 und 7 kann man natürlich ähnliche Planskizzen aufstellen wie am Standort 8 (mit Informationen überfrachtet). In vielen Fällen werden solche Tafeln dann noch um vermeintlich bedeutsame Hinweise wie "Zufahrt bis Autohaus frei" erweitert, so dass fast keine weiße Grundfläche mehr zu sehen ist, sondern nur noch schwarzer Text. Auf die Darstellung einer solchen Variante wurde hier verzichtet, stattdessen soll nochmals die Möglichkeit der Ankündigung ohne Planskizze aufgezeigt werden. Der Verkehrsteilnehmer erhält die Information, dass für sein Fernziel eine Umleitung eingerichtet wurde und in welcher Entfernung diese Umleitung beginnt. Als Bestätigung und Beginn der eigentlichen Wegweisung folgt dann das erste Zeichen 455.1 ohne Trägertafel direkt an der Ableitstelle. Dieses Prinzip lässt sich natürlich auch an allen anderen Standorten anwenden.

 

für die Kritiker der "neuen" Lösung
Man muss die vorgestellte Variante mit Zeichen 455.1 auf einer Trägertafel nicht mögen und zur Ablehnung selbiger kann man selbstverständlich auch die Nachteile anführen, z.B. die nicht vorhandene Abbildung der Streckenführung. Es sollte aber in diesem Zusammenhang nicht außer Acht gelassen werden, dass eine Planskizze nicht nur am Schreibtisch funktionieren muss. Was der Planer - wohlgemerkt in Kenntnis der Streckführung - auf seiner Tafel verwirklich sieht - muss nicht unbedingt für den daran vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer gelten. Jedem, der Planskizzen projektiert, anfertigt oder aufstellt, sei an dieser Stelle empfohlen, auf die Begreifbarkeit von Planskizzen zu achten - insbesondere bei Maßnahmen, die man nicht selbst betreut bzw. an Stellen, an denen man selbst nicht ortskundig ist. Den generellen Verzicht auf Planskizzen kann man sicherlich nicht empfehlen - die möglichen Alternativen sollten jedoch ebenfalls geprüft werden.

 

Die vorstehenden Erläuterungen sind natürlich wertlos, wenn es in der Praxis bereits an den elementaren Grundkenntnissen zur Aufstellung von Verkehrszeichen mangelt, wie in diesem Fall. Der Kommentar erübrigt sich.

 

Praxisbeispiel 2 - Vereinfachung von Inhalten:

 

 

 

 

projektiert, angeordnet und
aufgestellt wurde diese Tafel

mögliche Vereinfachung

weitere Vereinfachung

alternative Möglichkeit
der Ankündigung

 

 

Im konkreten Fall wurde eine Landstraße stadtauswärts zur Einbahnstraße erklärt (also aus Richtung Weimar, Jena, Kronach, Saalfeld usw. kommend). Folglich ist die Einfahrt für den stadteinwärts fahrenden Verkehr (Fahrtrichtung lt. Planskizze) verboten. Die sonst zu den entsprechenden Fernzielen führende Bundesstraße (dicke Strichbreite bzw. Pfeilrichtung erste Tafel) wird somit erst an einer anderen Kreuzung erreicht, nachdem man der Umleitung gefolgt ist. Da die gesamte Verkehrsrichtung (stadteinwärts) gesperrt ist, kommt es auf die jeweiligen Fernziele an dieser Stelle überhaupt (noch) nicht an.

Man muss so oder so der Umleitung folgen, egal wohin man will. Daher genügt es, wenn die Zielführung zunächst als "allgemeine" Umleitung erfolgt. Kurz vor der relevanten Kreuzung (Ende der Umleitung) sind dann die entsprechenden Fernziele aufzugreifen, denn erst dort will der Verkehrsteilnehmer wissen, in welche Richtung er abbiegen muss. Wie anhand der alternativen Möglichkeit (Zeichen 455.1) zu erkennen ist, benötigt man in einem solchen Fall gar keine Planskizze. Wenn jedoch auf Zeichen 458 bestanden wird, sollten die Informationen auf das Wesentliche beschränkt werden.

 

Die Sperrung im hier gezeigten Beispiel folgte unmittelbar an der nächsten Einmündung, also dort, wo man lt. Planskizze eh abbiegen muss. Es gab keine Alternativrouten, die man versehentlich befahren konnte - nichts dergleichen. Der Verkehrsteilnehmer hatte an dieser Stelle überhaupt keine andere Wahl, als links abzubiegen. Er muss also so oder so der Umleitung folgen - entsprechend hätte man noch nicht einmal eine Ankündigung gebraucht.

 

Praxisbeispiel 3 - Variante "Vorwegweiser"
Planskizzen kommen auch in abgespeckter Form zur Anwendung und ähneln dann eher einem Vorwegweiser. Prinzipiell ist gegen diese besondere Variante nichts einzuwenden, zumal sie sich überall dort anbietet, wo die vollständige Darstellung der Umleitungsstrecke - selbst vereinfacht - zu komplex wäre.

Das nebenstehende Foto zeigt eine weniger gelungene Ausführung dieser speziellen Variante. Hier scheint man sich vorher überhaupt keine Gedanken über die grafische Aufteilung gemacht zu haben - wie insbesondere der unmittelbar neben dem Rand aufgeklebte Pfeil zeigt.

Bemerkenswert ist, dass dieses fragwürdige Ergebnis nicht unbedingt eine Vereinfachung darstellt, insbesondere wenn es um zukünftige Änderungen geht. Muss z.B. bei einer anderen Maßnahme die Geradeausrichtung mit Zeichen 250 versehen werden, dann ist der Geradeauspfeil komplett zu entfernen und neu zu kleben - andernfalls sieht das Ergebnis noch unprofessioneller aus.

Würde man die Tafel hingegen auf der Grundlage eines amtlichen Zeichen 458 erstellen, ließen sich durch einfaches Umkleben auch andere Varianten realisieren. Bei der im Foto gezeigten Variante verbaut man sich hingegen alle Optionen für eine weitere Nutzung, einhergehend mit einer schlechten Darstellung, die zudem nicht den einschlägigen Vorgaben entspricht (z.B. Dreieck als Pfeilspitze anstelle von Herzpfeil).


viel Platz - schlecht genutzt

 
   
  Planskizze Grundgerüst angepasste Variante 1 angepasste Variante 2  
 

Der Einsatz standardisierter Varianten sorgt nicht nur für ein weitgehend einheitliches Erscheinungsbild, sondern ermöglicht auch eine effiziente Anpassung an andere Erfordernisse. Folglich muss nicht jedes mal der komplette Inhalt der Tafel entfernt werden, sondern es werden lediglich bestimmte Elemente angepasst. Die dadurch eingesparte Zeit ermöglicht ggf. ausnahmsweise die Anwendung eines Lineals, oder die Darstellung von Pfeilspitzen oder Bundesstraßennummern nach den Vorgaben der StVO.

 

Praxisbeispiel 4 - Umleitungsempfehlung mit gelben Pfeilen:

 

 

 

 

 

Situation am Tag

 

Situation bei Dunkelheit

 

Hier haben wir eine besondere Ausführung, die von der ursprünglichen Grundidee her gar nicht so verkehrt ist: Die Darstellung der Umleitungsempfehlung mittels gelben Pfeilen. Damit die gelben Pfeile erkennbar sind, benötigen sie jedoch einen schwarzen Kontraststreifen - so ist es eigentlich auch von der amtlichen Seite her vorgesehen. Das ausführende Unternehmen nutzt hingegen eine schrottreife Tafel als Grundlage und setzt für die farbigen Bildinhalte konventionelle Klebefolie ein (nicht retroreflektierend). Als Schriftart kommt selbstverständlich keine Verkehrsschrift nach DIN 1451 zur Anwendung und die roten Schriftzüge sind ebenfalls nicht retroreflektierend ausgeführt.

 

Darstellung von gelben Pfeilen (Umleitungsstrecke)
Die vorgestellte Variante zur Darstellung der Umleitungsstrecke mit gelben Pfeilen erfordert einen schwarzen Kontraststreifen, da sich der gelbe Pfeil sonst nicht von der weißen Grundfläche abhebt.

Wie breit dieser Rand ausgeführt wird, ist von der Größe der Pfeile abhängig - das abgebildete Beispiel bezieht sich auf einen Pfeil mit 60mm Schaft - daher mit 180mm breitem Herzpfeil. Der innen liegende, gelbe Pfeil hat in diesem Fall eine Schaftbreite von 45mm.

Wie schon beschrieben, müssen die gelben Pfeile retroreflektierend ausgeführt sein, da sie ansonsten beim Dunkelheit schwarz erscheinen, wodurch die eigentlich beabsichtigte Wirkung verfehlt wird. Entweder klebt man auf einen schwarzen Pfeil den verkleinerten gelben Pfeil aus Reflexfolie auf, oder man nutzt einen Pfeil aus gelber transparenter Folie (Farblaminat) und klebt darauf die Ränder. Letztere Variante ist ggf. aufwändiger, hat jedoch den Vorteil, dass die Retroreflexion der Grundtafel genutzt wird, wodurch eine einheitliche Rückstrahlklasse und Folienbauart gegeben ist.

 

Wird gelbe Reflexfolie auf schwarze Pfeile geklebt, so geht dies in der Regel nur mit Folien der Klasse RA1/A (ehem Typ I), da sich andere Folien (z.B. RA2/C) in der Regel nicht mit Standardwerkzeugen plotten lassen. Besteht die Grundtafel der Planskizze aus einer mikroprismatischen Hochreflexfolie z.B. RA2/C und ist der gelbe Pfeil nur aus einfacher Reflexfolie RA1/A gefertigt (weil der Plotter nur diese verarbeiten kann), dann geht der gelbe Teil des Pfeils bei Dunkelheit visuell unter. Das Ergebnis ist mit dem Einsatz einer nicht retroreflektierenden Folie vergleichbar und folglich unzureichend.

 

 

 

 

 

Situation am Tag

 

Situation bei Dunkelheit

 

So - oder so ähnlich - könnte die oben vorgestellte Tafel auch aussehen: Grundkörper in gutem Zustand (kleinere Kratzer sind unproblematisch), Schriftart nach DIN 1451, farbige Schriftzüge und Bildinhalte retroreflektierend bzw. als Farblaminat ausgeführt und Kontraststreifen für den gelben Pfeil. Entsprechend ergibt sich am Tag und bei Nacht das gleiche Erscheinungsbild - so wie es sein sollte.

 

Praxisbeispiel 5 - Hinweistafeln auf Autobahnen:
Egal ob es sich um Umleitungen im nachgeordneten Straßennetz oder Sperrungen von Anschlussstellen usw. handelt - in allen Fällen sind entsprechende Planskizzen oder Hinweistafeln auf Autobahnen erforderlich, die den Verkehrsteilnehmern die notwendigen Informationen bieten. Insbesondere auf Autobahnen ist der Einsatz einer ausreichend dimensionierten Tafel wichtig, denn nur so finden die Schriftzüge in der erforderlichen Größe Platz. Ziel ist es, die Beschilderung so zu dimensionieren und aufzustellen, dass sie bei den vorherrschenden Geschwindigkeiten früh genug erkannt und gelesen werden kann. Das bedeutet in der Regel für Schilder neben der Fahrbahn eine Schrifthöhe von mindestens 210mm, was bereits ein Zugeständnis für die mobile Beschilderung darstellt (eigentlich sind mindestens 280mm vorgesehen). Größere Schriften sind, vor allem im Hinblick auf die Kriterien der RWBA, anzustreben. Auf einer einzelnen Standardtafel mit den Maßen 1600x1250mm ist das natürlich nicht realisierbar.

 

Ankündigungstafel, Modell "Briefmarke" (1600x1250mm) auf der A4 bei Gotha.

 

Ankündigungstafel, Modell "Briefmarke" (1600x1250mm) auf der A71 bei Ilmenau.

 

Ankündigungstafel, Modell "Geht doch!" (4000x3000mm) auf der A4 bei Erfurt - mit eigens dafür aufgestellter Stahlschutzwand

 

Ein Bundesland, zwei Autobahnen, drei Baumaßnahmen mit drei verschiedenen Verkehrssicherungsfirmen und folglich drei unterschiedlichen Tafelgrößen bzw. Ausführungen. Die Anforderungen an die Lesbarkeit sind jedoch dieselben - unabhängig von etwaigen Zuständigkeiten. Folglich geht es bei der Projektierung solcher Tafeln allein um den Standort (Autobahn, ggf. ohne Geschwindigkeitsbeschränkung), und nicht darum, was der Auftraggeber im Rahmen seiner Baumaßnahme auf einer Bundes- oder Kreisstraße für ausreichend hält.

 

Sowohl die Schrifthöhe, die damit in Verbindung stehende Tafelgröße und letztendlich auch die Wahl der Reflexfolie, richten sich nach den Kriterien der Autobahn. Leider ist in der Praxis festzustellen, dass dieses Vorgaben auch im Betriebswesen der Autobahn selbst nicht immer hinreichend bekannt sind - wäre dies anders, gäbe es die entsprechenden Fotos nicht.

 

Briefmarkensammlung
Planskizzen und Ankündigungstafeln der Gattung "Briefmarke" sind maßgeblich auf Unzulänglichkeiten im Materialbestand zurückzuführen (unzulänglich = den Einsatz auf der Autobahn betreffend). In der Regel stehen in den ausführenden Unternehmen lediglich Tafeln mit den Maßen 1600x1250mm, 1800x1250mm oder 2000x1250mm zur Verfügung.

Ausnahmen bilden Sondergrößen z.B. mit den Maßen 3000x2000mm - genau diese sind aber für den Einsatz auf Autobahnen eigentlich als Mindestvoraussetzung anzusehen (Hinweistafeln und Planskizzen).

Welche Größe tatsächlich zum Einsatz kommt, ist nicht selten vom (unzulässigen) Ermessen des Auftragnehmers abhängig. Hat dieser nur das Modell "Briefmarke" im Bestand, kommt auch nur dieses auf die Bahn. Existieren ausnahmsweise größere Tafeln, so handelt es sich nicht selten um ehemalige Vorwegweiser, die lediglich mit einer neuen Reflexfolie beklebt wurden. Im Ergebnis hat von 20 aufgestellten Tafeln jede eine andere Größe und damit variiert nicht nur das allgemeine Erscheinungsbild, sondern vor allem die Schriftart nebst Schrifthöhe und folglich die Lesbarkeit.

Selbst für den Fall, dass der Auftraggeber den Versuch unternehmen sollte, die von ihm ursprünglich ausgeschriebene Größe einzufordern (schon das ist eher die Ausnahme), wird er wiederum mit den Unzulänglichkeiten des Auftragnehmers konfrontiert, der halt keine anderen Tafeln besitzt und auf Grund seiner knappen Kalkulation auch keine kauft.

Bleibt der Auftraggeber dennoch standhaft, scheitert ein Umbau oft an der Tatsache, dass die Arbeiten nunmehr auf einem staubelasteten Baustellenabschnitt stattfinden müssten, was auch wieder niemand will. Also bleiben die wirkungslosen "Briefmarken" stehen.


wenig Platz = kleine Schrift = schlechte Lesbarkeit

 

Trennung der Inhalte als Kompromisslösung
Als möglichen Kompromiss bietet sich die Trennung der Inhalte an. Anstelle einer senkrecht aufgestellten Tafel z.B. mit den Maßen 1800x1250mm, werden dann zwei solcher Tafeln im Querformat übereinander montiert. Dies ermöglich den Einsatz von Standardgrößen und bietet Vorteile bei der Fertigung der Tafeln in der hauseigenen Schilderwerkstatt.

Hier sind wir allerdings auch schnell wieder bei der Projektierung: Wenn solche Lösungen vom Auftraggeber bzw. der Behörde als zulässig angesehen werden, dann sollte bereits die Planung solche Tafeln beinhalten und natürlich sind den Ausschreibungsunterlagen gleich entsprechende Werkzeichnungen als Grundlage anzufügen. Ist hingegen eine einteilige Tafel z.B. mit den Maßen 3000x2000mm vorgesehen, stellt die durch den Auftragnehmer eigenmächtig getrennte Variante einen Mangel dar.

Es liegt im Ermessen des Auftraggebers bzw. der zuständigen Behörden, ob sie eine getrennte Darstellung dulden bzw. vorschreiben. In jedem Fall ist eine einheitliche Ausführung anzustreben - sprich egal ob die Verkehrssicherungsfirma A, B, oder C den Auftrag bekommt, die Tafel hat in alle drei Fällen gleich auszusehen.

Zudem ist festzuhalten, dass auch im Fall der geteilten Ausführung eine Fläche entsteht, die mit den standardisierten Aufstellvorrichtungen nebst deren Montagekomponenten in der Regel nicht standsicher aufzustellen ist. Die Aufstellvorrichtung ist folglich wie bei einer einteiligen Großtafel zu bemessen, was die Vorteile der Teilung in diesem Punkt wieder aufhebt. Damit sind wir auch schon beim nächsten Kriterium:


verbesserte Gestaltungsmöglichkeiten durch
Trennung, mit separater Entfernungsangabe

 

Die Problematik mit der Aufstellvorrichtung
Hinweistafeln und Planskizzen vom Modell "Briefmarke" haben für das beauftragte Unternehmen im Prinzip nur Vorteile: Die Tafeln sind als Standardausführung vorhanden und können auf Grund ihrer Größe leicht beschriftet bzw. gehandelt werden. Letzteres ermöglicht die in der Regel unzulässige, aber durchweg praktizierte Aufstellung durch nur eine Person, denn auch die Aufstellvorrichtung kann "normal" dimensioniert werden, wodurch sich nicht zuletzt Transportgewicht und Montageaufwand reduzieren. Ja - genau darum sind viele Tafeln zu klein und unleserlich.

Wenn man sich nun dazu durchgerungen hat, dass die aufstellten Tafeln nicht nur auf dem Papier notwendig sind, sondern auch in der Praxis ihren Zweck erfüllen sollen, ergeben sich zwangsläufig Probleme mit den Aufstellvorrichtungen.

Neben fragwürdigen Konstruktionen aus Stahlträgern, Betonklötzen oder zu Bergen aufgeschütteten Fußplatten (gern auch alte Leitschwellen), sind es meist die Grundvorrausetzungen, die eine fachgerechte Aufstellung nahezu unmöglich machen.


Hinreichende Standsicherheit aber unfallträchtige Konstruktion.
Der Einsatz einer transportabeln Schutzeinrichtung ist
erforderlich und in diesem Fall ausnahmsweise auch erfolgt.

 

Aufstellflächen und Schutzeinrichtungen
Zunächst muss allen Beteiligten klar sein, dass die jeweiligen Aufstellvorrichtungen eine Aufstellfläche benötigen. Insbesondere die Anforderungen der ASR A5.2 werden in Zukunft dazu führen, dass bestimmte Arbeiten nur noch unter Vollsperrung durchgeführt werden können. Das Betrifft nicht in jedem Fall die gesamte Richtungsfahrbahn, wohl aber Arbeiten in Rampen bzw. an Anschlussstellen, z.B. im Zuge von Markierungsarbeiten, Schutzplankenreparatur und ggf. auch Gehölzpflege.

Es wird daher ausdrücklich empfohlen, einheitliche Konzepte für derartige Maßnahmen zu erarbeiten, was eine ebenso einheitliche Systematik in der Beschilderung beinhaltet. Für die Montage der erforderlichen Großschilder sind entsprechende Standorte vorzusehen, so dass der Auftragnehmer sein Schild an der erforderlichen Stelle (die bei einem einer einheitlichen Systematik immer gleich ist), auch aufstellen kann. Denkbar sind z.B. in die Nebenanlage eingebrachte Fundamente, zur Aufnahme von standardisierten Aufstellvorrichtungen - z.B. Gitterrohrmasten.

Dort wo bislang keine Fahrzeug-Rückhaltesysteme vorhanden sind, müssen in diesem Zusammenhang entweder Flächen für transportable Schutzeinrichtungen geschaffen werden (inkl. deren Wirkungsbereiche), oder es sind ortsfeste Rückhaltesysteme vorzusehen. Die bewährte Praxis, im Straßengraben tonnenschwere Hindernisse in Form von Aufstellvorrichtungen zu bereiten, ist jedenfalls nicht mit den Anforderungen an eine sichere Straßenraumgestaltung zu vereinbaren - schon gar nicht auf der Autobahn. Das betrifft übrigens alle Arten von Aufstellvorrichtungen - auch die von Stauwarnanlagen.

 

Schutz der Reflexfolie
Alle Hinweise für eine fachgerechte Gestaltung von Planskizzen nützen nichts, wenn die Grundvorrausetzungen nicht stimmen - in diesem Fall die Grundfläche. Viele Planskizzen sind lediglich als 2mm Flachschild ausgeführt und werden mit gewöhnlichen Rohrschellen an Rundrohren befestigt. Entsprechend beschädigen sich die vormontierten Tafeln beim Transport oft gegenseitig. Hinzu kommt der oftmals sehr nachlässige Umgang mit den empfindlichen Schildern - dies betrifft selbstverständlich auch andere Verkehrszeichen.

 

Einen vergleichsweise sehr guten Schutz bieten Tafeln mit Aluminium-Randprofil, welches quasi "verkehrt herum" montiert ist. Dort wo sich sonst die graue Rückseite befindet, wird die Reflexfolie verklebt. Obgleich der Rand bei der Überarbeitung der Tafeln etwas hinderlich sein kann, ist diese Ausführung ausdrücklich zu empfehlen, denn nur so bleibt die Funktion der Folie lange erhalten. Das Aluminium-Randprofil verleiht der Tafel zudem eine bessere Stabilität.

 

Das Gegenteil ist hier abgebildet: Unzureichende Montage mit gewöhnlichen Kunststoff-Klemmschellen, ergänzt durch Bügelhalterungen von Warnleuchten und unzulässiger Einsatz von Kabelbindern. Wie man sieht, ist der Wind bereits dabei, die Tafel zu demontieren.