Leitbaken sind im rauen Baustellenalltag vielen Belastungen ausgesetzt, die auch ohne Unfall zum vorzeitigen Verschleiß führen. Oft ist dann der Fußplattenschaft verbogen bzw., abgeknickt und die Bake unbrauchbar, obwohl der Bakenkörper und die Reflexfolie nahezu unbeschädigt sind. Schnell stellt sich die Frage nach einer möglichen Reparatur und einige Bakensysteme lassen sich auch tatsächlich reparieren. So sind z.B. die Aluprofile austauschbar, können teilweise einfach aus der Bake gezogen, gedreht und wieder eingesetzt werden. Auch viele Leitbaken mit Drehsystem verfügen über austauschbare Komponenten und lassen sich so wieder instand setzen.

Nun sind aber nicht alle Leitbakensysteme für eine Reparatur ausgelegt und müssen nach einem Unfall entsorgt bzw. recycled werden, auch wenn die Folie noch intakt ist. Doch einige Experten haben hierfür auch entsprechende Lösungen parat. Generell ist hierzu zu sagen, dass nachträgliche (konstruktive) Veränderungen an Leitbaken grundsätzlich unzulässig sind. Der oben beschriebene Austausch von Originalteilen ist zulässig - eigenmächtige Anpassungen hingegen nicht.

 

abgesägte Schaftrohre sind unzulässig
Da liegt sie nun, die defekte Bake. Die Folie ist weitgehend intakt, der Lampenstutzen auch, nur die Fußplattenaufnahme ist verbogen. Na dann: Ab auf die Tischkreissäge, defekter Teil abgetrennt, ein 30-50cm langes Stück 40x40mm Schafrohr rein (im Idealfall auch aus Unfallschaden), Schraube durch - fertig ist die neue Bake. Na gut, die Bake kippelt seitlich - also zwei Schrauben. Super. Oder gleich ein Bügel von einer Warnleuchten-Schelle. Ja das funktioniert! Und sogar die BASt-Prüfnummer ist weiterhin vorhanden - falls es doch mal einer sehr genau nimmt. Alles in Ordnung!

Genau so wird nicht nur in kleinen Bauunternehmen, sondern auch in der ein oder anderen Verkehrssicherungsfirma verfahren. Das Ergebnis sind Schrottbaken (Leidbaken), die keinesfalls die Anforderungen an die passive Sicherheit erfüllen. Wie sich eine solche Konstruktion bei einem Unfall verhält ist unbekannt. Sicher: Auch TL-Leitbaken können in der Praxis versagen, denn die Unfälle und insbesondere die gefahrenen Geschwindigkeiten sind doch recht unterschiedlich, das Material altert usw. Aber: Mit einem TL-Leitbaken-System hat man zumindest rechtlich alles mögliche getan, um Gefahren zu minimieren (Verkehrssicherungspflicht / Stand der Technik). Im Zweifelsfall ist da auch noch die Produkthaftung des Herstellers.

Und bei Bastelbaken? Da kann sich der nachträgliche "Hersteller" bzw. der verantwortliche Unternehmer auf unangenehme Konsequenzen vorbereiten, zumindest dann, wenn ein Gutachter die Pfusch-Reparatur entlarvt. Schwere Unfälle (durchbohrte Autofahrer) gab es in der Vergangenheit öfter - aus diesem Grund wurden letztendlich die Kunststoff-Sicherheitsbaken entwickelt.  Auch gibt es Fälle, bei denen LKW durch das versehentliche Überfahren einer solchen Bastelbake Reifenschäden davon getragen haben. Das kurze Schaftrohr knickt mangels Hebelweg in diesem Fall nicht ab, sondern wirkt zusammen mit der Fußplatte wie eine große Reißzwecke. Damit ist es durchaus möglich, dass ein Fahrzeug nach der Kollision mit einer solchen Bake aus der Spur gerät und sich daraus schlimmere Unfallfolgen entwickeln.

 

aus alt mach neu - aber bitte nicht so!

 

im Inneren der "reparierten" Bake befindet sich eine Holzlatte

 

aufgebohrte Lampenstutzen
Einige Hersteller versuchen durch konstruktive Besonderheiten zu verhindern, dass insbesondere WL-Batteriekombinationen des Wettbewerbs auf ihren Leitbaken montiert werden können. Spezielle Formgebungen im Bereich des Lampenstutzens sollen die Montage anderer Leuchten unmöglich machen. Auch die Ausrichtung der Bohrung (Längs bzw. Quer) hat hierauf einen Einfluss.

Das hält die oben erwähnten Experten natürlich nicht davon ab, die jeweiligen Leuchten trotzdem auf mechanisch sowie zulassungstechnisch unpassenden Baken zu montieren - im Idealfall auf Baken, die nach dem oben beschriebenen "Verfahren" repariert wurden. Angesprochen auf die eigentlich unmögliche Konstruktion, wird dann vom Erfolgsmodell "Gummihammer und Multifunktionsöl" geschwärmt - die passende Bohrung erledigt der Akkuschrauber. Das diese Bohrung nur knapp unter der Oberkante des Lampenstutzens verläuft, bzw. dessen Materialstärke auf einen halben Millimeter reduziert, wodurch sich die Lampe beim Anprall mühelos von der Bake lösen wird, ist dem ambitionierten Verkehrssicherungs-Heimwerker egal. Er hat das geschafft, was Ingenieure zu verhindern versuchten.

Selbstverständlich sind auch solche Umbauten unzulässig. Konventionelle Kabel-Bakenleuchten passen auf nahezu jede TL-Leitbake - ohne das hier gebohrt werden muss. Insbesondere die WL-Batteriekombinationen dürfen jedoch nur auf eigens dafür geprüften Leitbaken zur Anwendung kommen, denn es sind die schweren Batterien, die die beim Crash entstehenden Kräfte zusätzlich beeinflussen. Viele Lampenstutzen sind für diese Belastung nicht ausgelegt und wenn sich die Leuchte nicht gerade direkt vom Stutzen löst (Dank der beschriebenen Bohrung), bricht im Einzelfall auch einfach der komplette Lampenstutzen ab. Dann durchdringt eine knapp 3kg schwere Leuchte entweder die Frontscheibe des kollidierenden Fahrzeugs, oder wird davon geschleudert - wo sie dann wahlweise in der Frontscheibe des Gegenverkehrs landet, bzw. Radfahrer, Fußgänger oder Baustellenpersonal trifft.

Auch hier gilt: Passiert dies mit einem TL-konformen System greift ggf. die Produkthaftung des Herstellers - für Bastelkram hingegen ist in der Regel der Unternehmer und sein Verkehrssicherungs-Heimwerker verantwortlich.

 

nachträglich aufgebohrter Lampenstutzen

 

derartige Veränderungen sind unzulässig